Nur Leckerlie Werfen oder doch ein bisschen mehr

Dieser Beitrag findet im Rahmen der diesjährigen Blogparade „fair statt fies“ - veranstaltet von der Initiative für gewaltfreies Hundetraining statt.

 

Nur mit Leckerlie werfen, oder doch vielleicht mehr….

Man kann sich nicht aussuchen, ob man die empirisch nachgewiesenen Prinzipien des Lernens anwendet oder nicht. So wie die Gesetze der Schwerkraft sind auch die Prinzipien des Lernens immer am Wer. Die Frage ist also nicht, ob man die Prinzipien des Lernens anwedet, sondern wie man sie am effektivsten einsetzt.“ (Spreat und Spreat, Learning Principles, 1982)

 

Das mit dem Leckerli, das kannst bei bestimmten Hunden nicht machen“. „Das geht nicht bei allen Hunden“, „Das schau ich mir an, wennst einen Rottweiler im Training hast, der schon zugebissen hat, wasDie da“ mit Leckerli machen“! Zur Erklärung: Damit sind solche, wie ich eine bin, gemeint! All jene Trainer, die sich der Arbeit mit positiver Verstärkung verschrieben haben und auf Gewalt und Druck im Hundetraining verzichten.

Sind also all jene Hundetrainer, die mit positiver Verstärkung arbeiten möglicherweise einfach unwissend, naiv oder aber sehen einfach alles mit einer rosaroten Brille? Oder haben möglicherweise noch nie einen „gefährlichen“ Hund gesehen und haben nur mit kleinen, unauffälligen und lieben Hunden (lieb sind sie alle :-) zu tun ?

Ich arbeite unter anderem auch in einem Tierheim als Hundetrainerin und es dürfte wohl selbsterklärend sein, dass man im Tierheim nicht nur mit kleinen und unauffälligen Hunden zu tun hat. Auch denke ich, kann ich für all meine Kollegen sprechen, die tolle Arbeit leisten, dass man, wenn man schon länger im Geschäft ist, kaum darum herum kommt, dass man den ein oder anderen Kandidaten hat, der „nicht ohne“ ist.

Im Tierheim hat man naturgemäß, mit den unterschiedlichsten Rassen als auch mit den unterschiedlichsten Charakteren zu tun und naheliegend, dass auch immer wieder mal Hunde dabei sind, die Mensch oder Tier schon verletzt haben. Wenn man sich die Aussage „positive Verstärkung geht nicht bei allen Hunden“ mal auf der Zunge zergehen lässt und man so zwischen den Zeilen liest, würde das heißen, dass, wenn ein Hund schon gebissen hat, man eine „gröbere Gangart“ einlegen muss oder wie genau ist das zu verstehen? Was genau heißt denn das nun? Soll man selber grob werden, soll man zuschlagen, soll man Gewalt mit Gewalt vergelten oder was meint man denn genau damit, wenn man sagt, „positive Verstärkung“ geht nicht bei allen Hunden ? Soll man dem Hund „unterwerfen“? Mal kurz den Hund auf den Rücken gedreht und gut ist es?? (was aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet natürlich völliger Quatsch ist) Oder aber den Hund so lange ängstigen und erschrecken bis der Hund in eine erlernte Hilflosigkeit fällt und gar nichts mehr tut, aus der Angst heraus was falsch zu machen, wie man es bei diversen Trainern die auch im Fernsehen ihr Unwesen treiben, immer wieder sieht. Wo dann unwissenden vermittelt wird, der Hund sei jetzt „entspannt“. Einen Hund „zu schrecken, zu ängstigen und all das Verrückte, das Menschen sich so ausdenken um Hunde zu unterdrücken, ist nun wirklich nicht sehr schwer. DAS kann wirklich Jeder! Wenn man bedenkt dass Hunde von den kognitiven Fähigkeiten mit Kleinkindern zu vergleichen sind, muss man auf so was nun nicht wirklich stolz sein. Dazu braucht man keine besonderen Fähigkeiten. Selbst Hunde, die uns von ihrer Körperlichkeit her überlegen wären, haben nicht mehr kognitive Fähigkeiten zur Verfügung als, wie schon gesagt, „kleine Kinder“. Gewalt mit Gewalt und Druck zu bekämpfen funktioniert eben so schlecht wie für Frieden in den Krieg zu ziehen!

Was tut eigentlich ein Trainer der mit positiver Verstärkung arbeitet? Positive Verstärkung basiert auf klassischer oder/und operanter Konditionierung! Klassische und operante Konditionierung sind Lerngesetze! Klassische Konditionierung ist nicht über Nachdenken gesteuert und funktioniert reflexartig. Dies beinhaltet übrigens auch Emotionen! Wie schon der Name „Lerngesetze“ beinhaltet, handelt es sich nicht um „Lernwahrscheinlichkeiten“, keine zufällig und möglicherweise, vielleicht eintretenden Ereignisse, sondern mit einer mathematischen Sicherheit berechenbare Ereignisse, wie das Matching Law besagt. Das Matching Law besagt unter anderem auch, dass Verhalten mathematisch berechenbar ist, es besagt, kurz ausgedrückt, dass Verhalten der Verstärkung entspricht! Dem wird meines Erachtens in der Verhaltenstherapie bei Hunden, immer noch viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Wenn man davon ausgeht, dass jedem Verhalten, eine Emotion vorausgeht und man Emotionen, wozu z.Bsp. auch Angst, Wut und Frust gehören, was unter anderem ursächlich sein kann für Aggression, über Konditionierung ins Gegenteil verändern kann, kann man auch das Verhalten, welches aus diesen negativen Emotionen resultiert, in erwünschtes Verhalten umlenken und zum Positiven verändern! Konditionierungen sind nicht vom Menschen gemacht, sondern ein natürlicher Vorgang, den man überall in der Natur beobachten kann. Wer behauptet, er könne einen Hund ohne Konditionierungen trainieren oder ausbilden, der hat keine Ahnung von dem was er tut! Welche Bedeutung hat nun Konditionierung für die Veränderung von unerwünschtem Verhalten? Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen emotionalen Reaktionen und klassischer Konditionierung! Um also eine emotionale Reaktion (z.Bsp. Aggression) zu verändern, muss der Hund erst mal lernen den negativ empfundenen Reiz, mit einer angenehmen, statt einer unangenehmen Emotion zu verbinden. Natürlich ist dies nicht immer ganz so einfach, denn Emotionen sind im realen Leben oftmals komplex und wenn ein Hund auf etwas sehr furchtsam reagiert und darauf mit Flucht oder Kampf reagiert, lässt sich diese Emotion nur noch schwer verändern. Wenn ich nun also mit aggressiven Hunden arbeite, die Menschen oder andere Hunde als negativ empfundenen Reiz wahrnehmen, arbeite ich mittels Gegenkonditionierung auf Distanz wo der Hund noch keinerlei Emotion bzw. keinerlei Anzeichen für Stress zeigt. Wie groß diese Distanz sein muss, bestimmt einzig und allein der Hund! Es ist immer wieder erstaunlich wie gut diese Methode funktioniert und wie schnell man sich an den Auslöser „herantasten“ kann und eine veränderte Emotion beim Hund beobachten kann. Klar könnte ich, wie viele aversiv arbeitende Trainer es tun, sobald der Hund emotional wird und den Negativreiz „vertreiben“ will, dem Hund einfach eine drüber ziehen, oder ihn mit etwas bewerfen, das ihn erschreckt, (könnte ich nicht, da dies einfach meinem Naturell widerspricht und mich allein die Vorstellung gruselt) wie man dies mit sogenannten Fisherdisks, Rütteldosen und dergleichen immer wieder sieht, aber wäre das wirklich auch „nachhaltig“? Das Verhalten würde lediglich unterdrückt und wenn der Mensch am anderen Ende der Leine nicht zum „Erschrecken und Maßregeln“ gegenwärtig ist, würde die Reaktion des Hundes immer noch Dieselbe sein. Arbeite ich jedoch an der Wurzel des Übels, an der Emotion die das Verhalten auslöst, habe ich eine um vielfaches größere Chance, das Verhalten des Hundes dauerhaft zu verändern, da die Emotion VOR dem Verhalten ins Positive verändert wird und somit unweigerlich auch das daraus resultierende Verhalten! Der Grund warum Menschen immer wieder den Weg zu aversiv arbeitenden Trainern suchen und finden ist der, dass ein Training, welches auf Druck und Angst aufgebaut ist, durchaus funktioniert! Meistens sind sehr schnelle „Erfolge“ sichtbar, was wiederum die Hundebesitzer beeindruckt, die sich manchmal schon lang mit dem ein oder anderen Problem herumschlagen. Nur ist dieses Ergebnis, wie schon gesagt, sehr sehr selten nachhaltig. Nur weil der Hund sein Verhalten aus Angst vor Strafe unterdrückt, heißt dies keinesfalls, dass der Hund sein Verhalten nicht augenblicklich wieder zeigen wird, wenn kein strafender Besitzer in der Nähe ist. Zudem kommt hinzu dass die Beziehung zum Halter aufgrund der Strafe geschädigt wird. Ist Vertrauen einmal zerstört ist es schwer dies wieder aufzubauen. Zudem würde es mich furchtbar traurig stimmen, wenn meine Hunde mir, der sie im Grunde ausgeliefert sind, misstrauen.

Klar gibt es rassespezifische Unterschiede! Einem Hütehund dass Hüten mit positiver Verstärkung abzutrainieren, wird sich möglicherweise als schwieriger gestalten, da es schwer sein wird, Verstärker zu finden, die ich von „Außen“ zuführen kann, die dem Hüten bzw. Jagen auch nur annähernd das Wasser reichen können. Diese Verhalten sind meist so stark „selbstbelohnend“, dass man sehr schwer gegenhalten kann. Trotz Alledem ist es unbestritten, dass gerade bei Hunden, wo Aggressionsverhalten „therapiert“ werden soll, sich die Arbeit mit der positiven Verstärkung als sehr hilfreich und erfolgbringend erwiesen hat. Paradoxerweise genau diese Verhaltensweisen, wo aversiv arbeitende Trainer sehr oft betonen, da kommst mit positiver Verstärkung nicht weiter. Also ich hab genau die gegenteilige Erfahrung gemacht. Erschrecken, demütigen, unterdrücken kann Jeder. Das ist nun wirkliche keine große Kunst. Dem Hund Alternativen beizubringen, dafür braucht es nun mal eine gewisse Zeit. Seid also fair zu euren Hunden. Gebt ihnen Zeit zu lernen, denkt daran, sie sind euch völlig ausgeliefert und sie haben nur euch. Und wie auch bei uns Menschen, bis wir etwas gelernt haben, so wirklich gelernt, ohne noch darüber nachdenken zu müssen, wie z.Bsp. das Autofahren, brauchen wir eine Weile. So geht`s auch unseren Hunden.

Eure Hunde werden es euch mit unerschütterlichem Vertrauen, Respekt und Liebe danken!

Veronika Pirnbacher von „Der Etwas Anderen Hundeschule“

 

 

 

 

 

Immer wieder höre ich von Kunden, dass ihr Hund bellt. Wow, sowas aber auch!😁😁
Naja… so ist das nunmal, dass Hunde bellen :-) wenn man das nicht mag, sollte man sich vielleicht überlegen, ein Katzerl zu nehmen? ? :-)🐺🐈🐈Aber Ironie mal beiseite.🤗
Hunde bellen!! Das war ja ursprünglich mal der Grund warum wir uns Hunde holten, weil sie uns durch Bellen vor Gefahren und Eindringlingen warnten. Das ist also quasi ihr Job. Ich war schon bei vielen Hunden, die ganz offensichtlich einen ganz ganz tollen Job machten, dafür von ihren Haltern, aber alles andere als Lob ernteten. 🤔 Frustrierend, die Vorstellung, dass man sich wie ein Blöder bemüht, gute Arbeit zu machen und das von Niemandem gesehen wird, ganz im Gegenteil, man dafür noch regelmäßig eine am Deckel bekommt.😑😑
Zugegeben, es ist schon nervig, wenn man mitten in der Nacht durch lautes Bellen aufgeweckt wird, wir aus dem Bett hochschießen, nachschauen gehen , alles so ist wie immer und wir dann davon überzeugt sind, dass unser Hund wegen „ Nix“ gebellt hat! Genervt schimpfen wir unseren Hund dann, weil er unsere Nachtruhe gestört hat, wo da gar doch gar nichts war. Nur weil wir nichts wahrnehmen, heißt das noch lange nicht, dass da auch nichts war. Kann sein! Kann aber auch sein, dass da sehr wohl was war und nur uns Menschen die Fähigkeit fehlt, dies auch wahrzunehmen, so wie dies unser Vierbeiniger Freund und Alarmanlage getan hat. In Anbetracht der Tatsache, dass Hunde bis in den Ultraschallbereich hören können, durchaus denkbar oder?
Hunde bellen aber auch aus anderen Gründen. Sie bellen bei Freude, in Erwartung eines Spiels, während dem Spiel, manche bellen wenn sie Angst haben, wenn sie erregt sind, wenn sie Gefahr wittern, wenn sie unsicher sind usw... Im Tierheim bekomme ich sehr oft „stressbedingtes Bellen“ zu hören, welches gerade bei Hunden, die schon länger im Zwinger sind, zu hören ist.😓 Es gibt bellfreudigere Rassen als andere und auch vom Hundetypus ist dies sehr unterschiedlich. Manche sind richtige „Quatschen“ und manche bellen nur ganz selten. Es gibt unterschiedliche Bellarten wie das „Warnbellen“ oder das monotone „Beruhigungsbellen“ das hohe „Unsicherheitsbellen“ und noch andere. (gibt dazu tolle Literatur von Turid Rugaas)
Als Trainerin bekomme ich oft das hohe „Unsicherheitsbellen“ zu hören, das Herrchen und Frauchen in den Wahnsinn treibt. Wenn man bedenkt, dass die Ursache dieses Bellens Unsicherheit oder gar Angst ist, ein Gefühl, dass Tier sowie auch Mensch als äußerst unangenehm empfinden, kann man sich vorstellen, dass „Schimpfen“ unsererseits, das Bellen nicht weniger werden lässt. Strafe für ein ohnehin schon negatives Gefühl kann kaum Erfolg bringen. Logisch oder? Vielmehr sollte man an der Wurzel des Übels arbeiten. Das Bellen ist nur ein Symptom. Versucht dem Hund Sicherheit zu geben, nehmt dessen Gefühle ernst. Schaut, warum der Hund so unsicher ist.
Vielleicht mehr loben, um den Hund insgesamt selbstsicherer zu machen? Kann ich im Alltag was verändern, das den Hund ruhiger und entspannter werden lässt? Ist da ein zu Viel oder ein zu Wenig an Aktivität? Ist der Hund überfordert, zu lange allein, ist ihm vielleicht langweilig, ist er gesund, hat er Schmerzen? All diese Fragen sollte man sich zuerst stellen, sofern der Hund ein übersteigertes Bellverhalten, an den Tag legt.
Bedenkt bitte, dass eure Hunde darauf angewiesen sind, dass ihr sie ernst nehmt und ihre Bedürfnisse seht. Sie haben nur euch!!!
In diesem Sinne, gebt auf eure Hunde acht!!❤🤗♥️

Immer und immer wieder geraten nicht nur Experten sondern auch Otto Normalhundehalter aneinander um über das ewig gleiche Thema Endlosdiskussionen zu starten was denn nun in der Hundeerziehung wirklich besser wäre und ob es denn nun auch wirklich immer nur mit positiver Verstärkung und ohne Strafe gehe. Egal ob man sich als Hundetrainer nun auf Fortbildung unter “Gleichgesinnten“ befindet, oder mit Hundehaltern diskutiert.

Dieses Thema beinhaltet immer viel (Konflikt) Potential Cool

Fernsehstars wie Cesar Millan ( der durchaus auch so manch guten Ansatz hat) heizen solche Diskussionen dann nochmehr an und wieder und wieder sieht man sich als Hundehalter damit konfrontiert, dass man sich nun fragt, was ist denn nun wirklich besser für unsere Hunde und bringt den gewünschten Erfolg. Hat man schon ein Problem mit seinem Liebling, sieht man sich dem Dschungel an Tipps und Expertenratschlägen nochmehr hiflos ausgeliefert, da man ja sowieso schon verzweifelt nach Hilfe sucht. Was ist denn nun der Schlüssel zum Erfolg? Zu welchen Trainer geh ich wenn ich Hilfe suche?

Es gibt zum Einen die so gennanten „Wattebauschtrainer“ zu denen auch ich mich zähle. (Ich muss ja meinem Ruf gerecht werden. Lautes Lachen

Dann wiederum gibt es die „Cesar Millans“ (ich nenn sie immer so:.) und manch andere versuchen wiederum, ihre eigene Schiene zu fahren und ihre ganz ganz neuen Methoden, die den hundertprozentigen Erfolg garantieren, zu propagieren und unter die Leute zu bringen.

Als Erstes sei mal gesagt, dass es, so seien wir doch mal ehrlich, diese ganzen Wunderwuzis, die jedes Problem nach nur einmal hinschauen, schon beheben können, nicht gibt. Verhaltensprobleme haben sich oft über Jahre manifestiert und entwickelt und es braucht schon oft einiges an Training und Geduld um diese wieder beheben zu können. Habe über die Jahre viele Profis kennenlernen dürfen, von denen ich sehr viel lernen durfte und denen ich meinen allergrössten Respekt entgegen bringe. Doch auch sie kochen alle nur mit Wasser, was ich zu meiner Beruhigung feststellen durfte :-) Freilich ist es oft so, dass man nach nur einem Hausbesuch ein Problem beheben kann, da es oft ganz einfach Missverständnisse sind, die zu einem Problem zwischen Mensch und Hund führen können. Die Norm ist dies aber nunmal nicht. Weiters sei gesagt, dass vieles, was wir Menschen als Fehlverhalten interpretieren, völlig normales Hundeverhalten ist, und lediglich ein unerwünschtes Verhalten für UNS ist. (Jagdverhalten, Territoriales Verhalten usw...) Was tun also, wenn es schon Probleme gibt?

Anhand eines Beispieles das ich vor kurzem selbst erleben durfte, möchte ich euch näherbringen was ich meine. Ich habe vor kurzem eine Fortbildung besucht, wo eine Referentin das Beispiel eines Hundes vortrug, der Ressourcen (Futter) massiv verteidigte und dabei sein Frauchen verletzte. Es wurde erzählt, dass eine Hundetrainerin hinzugezogen wurde, die riet den Hund die nächste Zeit nur aus der Hand zu füttern. Bei Erwähnung der Methode der Hundetrainerin, ging das altbekannte Raunen der „Allwissenden“ durch den Raum, gefolgt von einem milde lächelndem Kopfschütteln. In der Reihe hinter mir, wo die Riege der alteingesessenen Züchter saß, wurde gleich laut losgeschimpft, wie völlig hirnbefreit diese Hundetrainerin doch sei. Als ich es wagte, kurz einen Einwand zu erheben, wurde ich gleich mit „Ich bin Züchterin und Hundetrainerin“ niedergestreckt. (Ich war natürlich beeindruckt vor soviel Weisheit) CoolMundtot gemacht, aber Gedanken sind ja bekanntlich frei, überlegte ich, wie ich bei so einem mir vorgetragenen Problem vorgegangen wäre. Ich saß da nun so, in Gedanken versunken und grübelte so vor mich hin.

Der Hund (nennen wir ihn Waldi) hatte also seine Besitzerin verletzt, weil er Futter verteidigte. Ressourcen bedingte Aggression also. Während ich so vor mich hin sinnierte, ging die Diskussion rund um mich weiter, wie man den nun auf Aggression zu reagieren hätte und wie naiv es doch sei, zu glauben, auf einen aggressiven Hund einwirken zu können, indem man mit Leckerlie um sich wirft. Also, gesetzt den Fall, der Waldi hatte gelernt, dass er um Futter kämpfen muss, weil sonst sein Überleben nicht gesichert ist und ihm eventuell der Hungertod droht (wie es oft bei Auslandshunden der Fall ist) oder aber auch, der weniger dramatische Fall, dass Waldi einfach in einen Wurf mit sehr vielen Welpen geboren wurde und er einer der Schwächsten war, der sich nur schwer gegen die anderen durchsetzen konnte und wirklich kämpfen musste, um zur ersehnten Milchleiste zu kommen. Hätte dann der Gedanke der Trainerin, dem Hund genug Ressourcen zur Verfügung zu stellen, (sein Überleben wäre quasi immer gesichert da ein Überfluss an Nahrung da ist) und dies immer in Verbindung mit seiner Besitzerin, nicht doch durchaus seine Berechtigung und würde sogar sehr schnell zu Erfolg führen? Wenn wir aus diesem Blickwinkel beleuchten ist dies nicht nur möglich, sondern durchaus wahrscheinlich. Was ich in dieser Diskussion vermisst habe, war der Aspekt,, „was ist die Emotion bevor die Aggression kommt“. Ist diese Emotion nicht genau das, die wir als gute Hundetrainer einschätzen können müssen um „therapieren“ und helfen zu können? Ich vermisse sehr oft, in diesen äusserst kontrovers geführten Diskusssionen, ob man Aggressionen mit positiver Verstärkung entgegen wirken kann, genau diese Ansätze. Wenn ich die Emotion vor der Aggression verstehen und einschätzen kann und diese Emotion zum Positiven verändern kann, fällt naturgemäß auch die daraus resultierende Aggression weg. Fairerweise betrachten wir das ganze nun aber aus der Sicht der „Cesar Millans“.

Waldi hat also Frauchen verletzt, weil er sein Futter nicht hergeben wollte. Der Hund wird bestraft, ihm wird eins drauf gegeben (wie auch immer) dem Hund wird „Respekt“ gegenüber Frauchen beigebracht und ihm wird ganz klar vermittelt wer hier das Sagen hat. Unbestritten, wäre so das Problem auch gelöst, zumindest, wenn die Strafe oder die Einschüchterung des Hundes stark genug gewesen wäre. Hunde verstehen sowas sehr schnell. Also Waldi hat gelernt, mit Frauchen leg ich mich besser nicht an, wenns um`s Fressen geht, denn sie ist eindeutig die Stärkere. Betrachten wird dies aber genauer. Waldi hätte immer noch dieselbe Emotion, sprich die Angst, es könnte zu wenig da sein, um sein Überleben zu sichern. Frauchen wäre zwar ( und dies auch nur im Allerbesten Fall), nimmer in Gefahr, wenn Waldi frisst, aber justatment kommt der 10 jährige Seppi aus der Nachbarschaft zu Besuch, als Waldi im Garten grad seinen Knochen vergräbt. Wir haben durch die Strafe, in Bezug auf Frauchen, zwar erreicht, dass Waldi sich ihr unterordnet, weil er schlichtweg gesagt einfach Angst empfindet, aber dem Nachbarjungen Seppi hilft das grad wenig. Hätten wir aber ohne Strafe, unter Beeinflussung der Emotion und Umkehr der Gefühle bezüglich der Ressource Futter gearbeitet, könnte wahrscheinlich auch Seppi den Garten wieder unbehelligt verlassen. Strafe kann zwar ein unerwünschtes Verhalten verhindern, wird jedoch nicht die vorangehende Emotion, die dieses Verhalten erst auslöst, verändern. Die Wahrscheinlichkeit dass Waldi also nichts daraus gelernt hat, ausser dass er Frauchen fürchten muss, wenns um`s Essen geht, ist groß. Auf den Punkt gebracht, sollte jeder Trainer, die Emotion des Hundes vor dem Fehlverhalten, erkennen und einschätzen können. Jedem (Fehl)Verhalten geht eine Emotion und Motivation voraus!

Diese zu erkennen und zu beeinflussen würde in vielen Fällen ausreichen, anstatt wie es oft der Fall ist, mittels Strafe, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Nochmals seit betont, dass ich keinesfalls dafür bin, Hunde ohne klare Grenzen zu erziehen. Gerade Grenzen und Strukturen sind es, die Hunden die Sicherheit im Alltag geben, die sie brauchen. Hunden keine Strukturen zu bieten, grenzt für mich ganz eindeutig ebenfalls an Tierquälerei. Um klare Grenzen zu setzen, brauch ich jedoch die Strafe keinesfalls. Strafe, da wird mir jeder recht geben, verursacht einerseits beim Bestraften, sowie aber auch beim Strafenden selbst, ein Unwohlsein und ein Negativgefühl, das für eine vertrauensvolle Beziehung keineswegs förderlich sein kann.

Vertrauen und Beziehung stellen für mich jedoch die Basis dar und sind die Grundvoraussetzung um Hunden Orientierung und Führung zu geben. Abschließend sei noch gesagt, dass ich nicht zu denen gehöre, die die Meinung vertreten, „eine Watschen habe noch niemandem geschadet.“ Cool

Neueste Kommentare

08.07 | 14:49

Spricht mir aus der Seele,da ich seit 2 Monaten einen jungen TS Hund aus Ungarn habe!Zeit,Geduld,ankommen lassen,etwas Erziehung,und wieder Geduld!!

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20.01 | 09:29

Liebe Frau Pirnbacher, wollte nur kurz nachfragen, ob der Termin 23.1. für den nächsten Sachkundenachweis aktuell ist und statt finden wird? Danke, Marietta

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15.12 | 17:01

Am 23.1.2019 um 19 Uhr wäre der nächste Termin. 😊

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15.12 | 08:59

Hallo Frau Pirnbacher, ich würde mich gerne für den nächsten Sachkundenachweis-Kurs anmelden.... wann findet der nächste Kurs statt? Danke, Marietta

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