Warum ich Strafe in der Hundeerziehung ablehne?

Macht Strafe Sinn?

Immer und immer wieder geraten nicht nur Experten sondern auch Otto Normalhundehalter aneinander um über das ewig gleiche Thema Endlosdiskussionen zu starten was denn nun in der Hundeerziehung wirklich besser wäre und ob es denn nun auch wirklich immer nur mit positiver Verstärkung und ohne Strafe gehe. Egal ob man sich als Hundetrainer nun auf Fortbildung unter “Gleichgesinnten“ befindet, oder mit Hundehaltern diskutiert.

Dieses Thema beinhaltet immer viel (Konflikt) Potential Cool

Fernsehstars wie Cesar Millan ( der durchaus auch so manch guten Ansatz hat) heizen solche Diskussionen dann nochmehr an und wieder und wieder sieht man sich als Hundehalter damit konfrontiert, dass man sich nun fragt, was ist denn nun wirklich besser für unsere Hunde und bringt den gewünschten Erfolg. Hat man schon ein Problem mit seinem Liebling, sieht man sich dem Dschungel an Tipps und Expertenratschlägen nochmehr hiflos ausgeliefert, da man ja sowieso schon verzweifelt nach Hilfe sucht. Was ist denn nun der Schlüssel zum Erfolg? Zu welchen Trainer geh ich wenn ich Hilfe suche?

Es gibt zum Einen die so gennanten „Wattebauschtrainer“ zu denen auch ich mich zähle. (Ich muss ja meinem Ruf gerecht werden. Lautes Lachen

Dann wiederum gibt es die „Cesar Millans“ (ich nenn sie immer so:.) und manch andere versuchen wiederum, ihre eigene Schiene zu fahren und ihre ganz ganz neuen Methoden, die den hundertprozentigen Erfolg garantieren, zu propagieren und unter die Leute zu bringen.

Als Erstes sei mal gesagt, dass es, so seien wir doch mal ehrlich, diese ganzen Wunderwuzis, die jedes Problem nach nur einmal hinschauen, schon beheben können, nicht gibt. Verhaltensprobleme haben sich oft über Jahre manifestiert und entwickelt und es braucht schon oft einiges an Training und Geduld um diese wieder beheben zu können. Habe über die Jahre viele Profis kennenlernen dürfen, von denen ich sehr viel lernen durfte und denen ich meinen allergrössten Respekt entgegen bringe. Doch auch sie kochen alle nur mit Wasser, was ich zu meiner Beruhigung feststellen durfte :-) Freilich ist es oft so, dass man nach nur einem Hausbesuch ein Problem beheben kann, da es oft ganz einfach Missverständnisse sind, die zu einem Problem zwischen Mensch und Hund führen können. Die Norm ist dies aber nunmal nicht. Weiters sei gesagt, dass vieles, was wir Menschen als Fehlverhalten interpretieren, völlig normales Hundeverhalten ist, und lediglich ein unerwünschtes Verhalten für UNS ist. (Jagdverhalten, Territoriales Verhalten usw...) Was tun also, wenn es schon Probleme gibt?

Anhand eines Beispieles das ich vor kurzem selbst erleben durfte, möchte ich euch näherbringen was ich meine. Ich habe vor kurzem eine Fortbildung besucht, wo eine Referentin das Beispiel eines Hundes vortrug, der Ressourcen (Futter) massiv verteidigte und dabei sein Frauchen verletzte. Es wurde erzählt, dass eine Hundetrainerin hinzugezogen wurde, die riet den Hund die nächste Zeit nur aus der Hand zu füttern. Bei Erwähnung der Methode der Hundetrainerin, ging das altbekannte Raunen der „Allwissenden“ durch den Raum, gefolgt von einem milde lächelndem Kopfschütteln. In der Reihe hinter mir, wo die Riege der alteingesessenen Züchter saß, wurde gleich laut losgeschimpft, wie völlig hirnbefreit diese Hundetrainerin doch sei. Als ich es wagte, kurz einen Einwand zu erheben, wurde ich gleich mit „Ich bin Züchterin und Hundetrainerin“ niedergestreckt. (Ich war natürlich beeindruckt vor soviel Weisheit) CoolMundtot gemacht, aber Gedanken sind ja bekanntlich frei, überlegte ich, wie ich bei so einem mir vorgetragenen Problem vorgegangen wäre. Ich saß da nun so, in Gedanken versunken und grübelte so vor mich hin.

Der Hund (nennen wir ihn Waldi) hatte also seine Besitzerin verletzt, weil er Futter verteidigte. Ressourcen bedingte Aggression also. Während ich so vor mich hin sinnierte, ging die Diskussion rund um mich weiter, wie man den nun auf Aggression zu reagieren hätte und wie naiv es doch sei, zu glauben, auf einen aggressiven Hund einwirken zu können, indem man mit Leckerlie um sich wirft. Also, gesetzt den Fall, der Waldi hatte gelernt, dass er um Futter kämpfen muss, weil sonst sein Überleben nicht gesichert ist und ihm eventuell der Hungertod droht (wie es oft bei Auslandshunden der Fall ist) oder aber auch, der weniger dramatische Fall, dass Waldi einfach in einen Wurf mit sehr vielen Welpen geboren wurde und er einer der Schwächsten war, der sich nur schwer gegen die anderen durchsetzen konnte und wirklich kämpfen musste, um zur ersehnten Milchleiste zu kommen. Hätte dann der Gedanke der Trainerin, dem Hund genug Ressourcen zur Verfügung zu stellen, (sein Überleben wäre quasi immer gesichert da ein Überfluss an Nahrung da ist) und dies immer in Verbindung mit seiner Besitzerin, nicht doch durchaus seine Berechtigung und würde sogar sehr schnell zu Erfolg führen? Wenn wir aus diesem Blickwinkel beleuchten ist dies nicht nur möglich, sondern durchaus wahrscheinlich. Was ich in dieser Diskussion vermisst habe, war der Aspekt,, „was ist die Emotion bevor die Aggression kommt“. Ist diese Emotion nicht genau das, die wir als gute Hundetrainer einschätzen können müssen um „therapieren“ und helfen zu können? Ich vermisse sehr oft, in diesen äusserst kontrovers geführten Diskusssionen, ob man Aggressionen mit positiver Verstärkung entgegen wirken kann, genau diese Ansätze. Wenn ich die Emotion vor der Aggression verstehen und einschätzen kann und diese Emotion zum Positiven verändern kann, fällt naturgemäß auch die daraus resultierende Aggression weg. Fairerweise betrachten wir das ganze nun aber aus der Sicht der „Cesar Millans“.

Waldi hat also Frauchen verletzt, weil er sein Futter nicht hergeben wollte. Der Hund wird bestraft, ihm wird eins drauf gegeben (wie auch immer) dem Hund wird „Respekt“ gegenüber Frauchen beigebracht und ihm wird ganz klar vermittelt wer hier das Sagen hat. Unbestritten, wäre so das Problem auch gelöst, zumindest, wenn die Strafe oder die Einschüchterung des Hundes stark genug gewesen wäre. Hunde verstehen sowas sehr schnell. Also Waldi hat gelernt, mit Frauchen leg ich mich besser nicht an, wenns um`s Fressen geht, denn sie ist eindeutig die Stärkere. Betrachten wird dies aber genauer. Waldi hätte immer noch dieselbe Emotion, sprich die Angst, es könnte zu wenig da sein, um sein Überleben zu sichern. Frauchen wäre zwar ( und dies auch nur im Allerbesten Fall), nimmer in Gefahr, wenn Waldi frisst, aber justatment kommt der 10 jährige Seppi aus der Nachbarschaft zu Besuch, als Waldi im Garten grad seinen Knochen vergräbt. Wir haben durch die Strafe, in Bezug auf Frauchen, zwar erreicht, dass Waldi sich ihr unterordnet, weil er schlichtweg gesagt einfach Angst empfindet, aber dem Nachbarjungen Seppi hilft das grad wenig. Hätten wir aber ohne Strafe, unter Beeinflussung der Emotion und Umkehr der Gefühle bezüglich der Ressource Futter gearbeitet, könnte wahrscheinlich auch Seppi den Garten wieder unbehelligt verlassen. Strafe kann zwar ein unerwünschtes Verhalten verhindern, wird jedoch nicht die vorangehende Emotion, die dieses Verhalten erst auslöst, verändern. Die Wahrscheinlichkeit dass Waldi also nichts daraus gelernt hat, ausser dass er Frauchen fürchten muss, wenns um`s Essen geht, ist groß. Auf den Punkt gebracht, sollte jeder Trainer, die Emotion des Hundes vor dem Fehlverhalten, erkennen und einschätzen können. Jedem (Fehl)Verhalten geht eine Emotion und Motivation voraus!

Diese zu erkennen und zu beeinflussen würde in vielen Fällen ausreichen, anstatt wie es oft der Fall ist, mittels Strafe, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Nochmals seit betont, dass ich keinesfalls dafür bin, Hunde ohne klare Grenzen zu erziehen. Gerade Grenzen und Strukturen sind es, die Hunden die Sicherheit im Alltag geben, die sie brauchen. Hunden keine Strukturen zu bieten, grenzt für mich ganz eindeutig ebenfalls an Tierquälerei. Um klare Grenzen zu setzen, brauch ich jedoch die Strafe keinesfalls. Strafe, da wird mir jeder recht geben, verursacht einerseits beim Bestraften, sowie aber auch beim Strafenden selbst, ein Unwohlsein und ein Negativgefühl, das für eine vertrauensvolle Beziehung keineswegs förderlich sein kann.

Vertrauen und Beziehung stellen für mich jedoch die Basis dar und sind die Grundvoraussetzung um Hunden Orientierung und Führung zu geben. Abschließend sei noch gesagt, dass ich nicht zu denen gehöre, die die Meinung vertreten, „eine Watschen habe noch niemandem geschadet.“ Cool

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Neueste Kommentare

15.03 | 07:46

Danke Vronie! Ich seh unser Puppi jetzt mit ganz anderen Augen!
Kann nur jedem empfehlen mal mit Vronie eine Stunde zu nehmen.
danke!

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09.11 | 16:03

danke für Ihre zeilen. auch bei Tieren - Liebe , Respekt und Achtung nur ich werde mich keinem Tier unterordnen; liebe Schlange, geh mir bitte aus
Weg .

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29.09 | 19:47

mir standen die tränen in den augen bei diesen zeilen - danke dafür!

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25.08 | 10:03

Hallo liebe Ilse!
War ein super Seminar und ich würde mich freuen, wenn wir uns mal wieder sehen würden!
Ganz liebe Grüße
Vroni

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