Nur Leckerlie Werfen oder doch ein bisschen mehr

Leckerlie Werfen oder doch ein bisschen mehr

Dieser Beitrag findet im Rahmen der diesjährigen Blogparade „fair statt fies“ - veranstaltet von der Initiative für gewaltfreies Hundetraining statt.

 

Nur mit Leckerlie werfen, oder doch vielleicht mehr….

Man kann sich nicht aussuchen, ob man die empirisch nachgewiesenen Prinzipien des Lernens anwendet oder nicht. So wie die Gesetze der Schwerkraft sind auch die Prinzipien des Lernens immer am Wer. Die Frage ist also nicht, ob man die Prinzipien des Lernens anwedet, sondern wie man sie am effektivsten einsetzt.“ (Spreat und Spreat, Learning Principles, 1982)

 

Das mit dem Leckerli, das kannst bei bestimmten Hunden nicht machen“. „Das geht nicht bei allen Hunden“, „Das schau ich mir an, wennst einen Rottweiler im Training hast, der schon zugebissen hat, wasDie da“ mit Leckerli machen“! Zur Erklärung: Damit sind solche, wie ich eine bin, gemeint! All jene Trainer, die sich der Arbeit mit positiver Verstärkung verschrieben haben und auf Gewalt und Druck im Hundetraining verzichten.

Sind also all jene Hundetrainer, die mit positiver Verstärkung arbeiten möglicherweise einfach unwissend, naiv oder aber sehen einfach alles mit einer rosaroten Brille? Oder haben möglicherweise noch nie einen „gefährlichen“ Hund gesehen und haben nur mit kleinen, unauffälligen und lieben Hunden (lieb sind sie alle :-) zu tun ?

Ich arbeite unter anderem auch in einem Tierheim als Hundetrainerin und es dürfte wohl selbsterklärend sein, dass man im Tierheim nicht nur mit kleinen und unauffälligen Hunden zu tun hat. Auch denke ich, kann ich für all meine Kollegen sprechen, die tolle Arbeit leisten, dass man, wenn man schon länger im Geschäft ist, kaum darum herum kommt, dass man den ein oder anderen Kandidaten hat, der „nicht ohne“ ist.

Im Tierheim hat man naturgemäß, mit den unterschiedlichsten Rassen als auch mit den unterschiedlichsten Charakteren zu tun und naheliegend, dass auch immer wieder mal Hunde dabei sind, die Mensch oder Tier schon verletzt haben. Wenn man sich die Aussage „positive Verstärkung geht nicht bei allen Hunden“ mal auf der Zunge zergehen lässt und man so zwischen den Zeilen liest, würde das heißen, dass, wenn ein Hund schon gebissen hat, man eine „gröbere Gangart“ einlegen muss oder wie genau ist das zu verstehen? Was genau heißt denn das nun? Soll man selber grob werden, soll man zuschlagen, soll man Gewalt mit Gewalt vergelten oder was meint man denn genau damit, wenn man sagt, „positive Verstärkung“ geht nicht bei allen Hunden ? Soll man dem Hund „unterwerfen“? Mal kurz den Hund auf den Rücken gedreht und gut ist es?? (was aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet natürlich völliger Quatsch ist) Oder aber den Hund so lange ängstigen und erschrecken bis der Hund in eine erlernte Hilflosigkeit fällt und gar nichts mehr tut, aus der Angst heraus was falsch zu machen, wie man es bei diversen Trainern die auch im Fernsehen ihr Unwesen treiben, immer wieder sieht. Wo dann unwissenden vermittelt wird, der Hund sei jetzt „entspannt“. Einen Hund „zu schrecken, zu ängstigen und all das Verrückte, das Menschen sich so ausdenken um Hunde zu unterdrücken, ist nun wirklich nicht sehr schwer. DAS kann wirklich Jeder! Wenn man bedenkt dass Hunde von den kognitiven Fähigkeiten mit Kleinkindern zu vergleichen sind, muss man auf so was nun nicht wirklich stolz sein. Dazu braucht man keine besonderen Fähigkeiten. Selbst Hunde, die uns von ihrer Körperlichkeit her überlegen wären, haben nicht mehr kognitive Fähigkeiten zur Verfügung als, wie schon gesagt, „kleine Kinder“. Gewalt mit Gewalt und Druck zu bekämpfen funktioniert eben so schlecht wie für Frieden in den Krieg zu ziehen!

Was tut eigentlich ein Trainer der mit positiver Verstärkung arbeitet? Positive Verstärkung basiert auf klassischer oder/und operanter Konditionierung! Klassische und operante Konditionierung sind Lerngesetze! Klassische Konditionierung ist nicht über Nachdenken gesteuert und funktioniert reflexartig. Dies beinhaltet übrigens auch Emotionen! Wie schon der Name „Lerngesetze“ beinhaltet, handelt es sich nicht um „Lernwahrscheinlichkeiten“, keine zufällig und möglicherweise, vielleicht eintretenden Ereignisse, sondern mit einer mathematischen Sicherheit berechenbare Ereignisse, wie das Matching Law besagt. Das Matching Law besagt unter anderem auch, dass Verhalten mathematisch berechenbar ist, es besagt, kurz ausgedrückt, dass Verhalten der Verstärkung entspricht! Dem wird meines Erachtens in der Verhaltenstherapie bei Hunden, immer noch viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Wenn man davon ausgeht, dass jedem Verhalten, eine Emotion vorausgeht und man Emotionen, wozu z.Bsp. auch Angst, Wut und Frust gehören, was unter anderem ursächlich sein kann für Aggression, über Konditionierung ins Gegenteil verändern kann, kann man auch das Verhalten, welches aus diesen negativen Emotionen resultiert, in erwünschtes Verhalten umlenken und zum Positiven verändern! Konditionierungen sind nicht vom Menschen gemacht, sondern ein natürlicher Vorgang, den man überall in der Natur beobachten kann. Wer behauptet, er könne einen Hund ohne Konditionierungen trainieren oder ausbilden, der hat keine Ahnung von dem was er tut! Welche Bedeutung hat nun Konditionierung für die Veränderung von unerwünschtem Verhalten? Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen emotionalen Reaktionen und klassischer Konditionierung! Um also eine emotionale Reaktion (z.Bsp. Aggression) zu verändern, muss der Hund erst mal lernen den negativ empfundenen Reiz, mit einer angenehmen, statt einer unangenehmen Emotion zu verbinden. Natürlich ist dies nicht immer ganz so einfach, denn Emotionen sind im realen Leben oftmals komplex und wenn ein Hund auf etwas sehr furchtsam reagiert und darauf mit Flucht oder Kampf reagiert, lässt sich diese Emotion nur noch schwer verändern. Wenn ich nun also mit aggressiven Hunden arbeite, die Menschen oder andere Hunde als negativ empfundenen Reiz wahrnehmen, arbeite ich mittels Gegenkonditionierung auf Distanz wo der Hund noch keinerlei Emotion bzw. keinerlei Anzeichen für Stress zeigt. Wie groß diese Distanz sein muss, bestimmt einzig und allein der Hund! Es ist immer wieder erstaunlich wie gut diese Methode funktioniert und wie schnell man sich an den Auslöser „herantasten“ kann und eine veränderte Emotion beim Hund beobachten kann. Klar könnte ich, wie viele aversiv arbeitende Trainer es tun, sobald der Hund emotional wird und den Negativreiz „vertreiben“ will, dem Hund einfach eine drüber ziehen, oder ihn mit etwas bewerfen, das ihn erschreckt, (könnte ich nicht, da dies einfach meinem Naturell widerspricht und mich allein die Vorstellung gruselt) wie man dies mit sogenannten Fisherdisks, Rütteldosen und dergleichen immer wieder sieht, aber wäre das wirklich auch „nachhaltig“? Das Verhalten würde lediglich unterdrückt und wenn der Mensch am anderen Ende der Leine nicht zum „Erschrecken und Maßregeln“ gegenwärtig ist, würde die Reaktion des Hundes immer noch Dieselbe sein. Arbeite ich jedoch an der Wurzel des Übels, an der Emotion die das Verhalten auslöst, habe ich eine um vielfaches größere Chance, das Verhalten des Hundes dauerhaft zu verändern, da die Emotion VOR dem Verhalten ins Positive verändert wird und somit unweigerlich auch das daraus resultierende Verhalten! Der Grund warum Menschen immer wieder den Weg zu aversiv arbeitenden Trainern suchen und finden ist der, dass ein Training, welches auf Druck und Angst aufgebaut ist, durchaus funktioniert! Meistens sind sehr schnelle „Erfolge“ sichtbar, was wiederum die Hundebesitzer beeindruckt, die sich manchmal schon lang mit dem ein oder anderen Problem herumschlagen. Nur ist dieses Ergebnis, wie schon gesagt, sehr sehr selten nachhaltig. Nur weil der Hund sein Verhalten aus Angst vor Strafe unterdrückt, heißt dies keinesfalls, dass der Hund sein Verhalten nicht augenblicklich wieder zeigen wird, wenn kein strafender Besitzer in der Nähe ist. Zudem kommt hinzu dass die Beziehung zum Halter aufgrund der Strafe geschädigt wird. Ist Vertrauen einmal zerstört ist es schwer dies wieder aufzubauen. Zudem würde es mich furchtbar traurig stimmen, wenn meine Hunde mir, der sie im Grunde ausgeliefert sind, misstrauen.

Klar gibt es rassespezifische Unterschiede! Einem Hütehund dass Hüten mit positiver Verstärkung abzutrainieren, wird sich möglicherweise als schwieriger gestalten, da es schwer sein wird, Verstärker zu finden, die ich von „Außen“ zuführen kann, die dem Hüten bzw. Jagen auch nur annähernd das Wasser reichen können. Diese Verhalten sind meist so stark „selbstbelohnend“, dass man sehr schwer gegenhalten kann. Trotz Alledem ist es unbestritten, dass gerade bei Hunden, wo Aggressionsverhalten „therapiert“ werden soll, sich die Arbeit mit der positiven Verstärkung als sehr hilfreich und erfolgbringend erwiesen hat. Paradoxerweise genau diese Verhaltensweisen, wo aversiv arbeitende Trainer sehr oft betonen, da kommst mit positiver Verstärkung nicht weiter. Also ich hab genau die gegenteilige Erfahrung gemacht. Erschrecken, demütigen, unterdrücken kann Jeder. Das ist nun wirkliche keine große Kunst. Dem Hund Alternativen beizubringen, dafür braucht es nun mal eine gewisse Zeit. Seid also fair zu euren Hunden. Gebt ihnen Zeit zu lernen, denkt daran, sie sind euch völlig ausgeliefert und sie haben nur euch. Und wie auch bei uns Menschen, bis wir etwas gelernt haben, so wirklich gelernt, ohne noch darüber nachdenken zu müssen, wie z.Bsp. das Autofahren, brauchen wir eine Weile. So geht`s auch unseren Hunden.

Eure Hunde werden es euch mit unerschütterlichem Vertrauen, Respekt und Liebe danken!

Veronika Pirnbacher von „Der Etwas Anderen Hundeschule“

 

 

 

 

 

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Neueste Kommentare

08.07 | 14:49

Spricht mir aus der Seele,da ich seit 2 Monaten einen jungen TS Hund aus Ungarn habe!Zeit,Geduld,ankommen lassen,etwas Erziehung,und wieder Geduld!!

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20.01 | 09:29

Liebe Frau Pirnbacher, wollte nur kurz nachfragen, ob der Termin 23.1. für den nächsten Sachkundenachweis aktuell ist und statt finden wird? Danke, Marietta

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15.12 | 17:01

Am 23.1.2019 um 19 Uhr wäre der nächste Termin. 😊

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15.12 | 08:59

Hallo Frau Pirnbacher, ich würde mich gerne für den nächsten Sachkundenachweis-Kurs anmelden.... wann findet der nächste Kurs statt? Danke, Marietta

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